Viele gehen zur MPU mit dem Gefühl: „Der Gutachter weiß sowieso alles über mich.“ Genau das stimmt nicht. Ein MPU-Gutachter ist kein Ermittler und auch kein Geheimdienst. Er sieht keine privaten Chats, keine Social-Media-Daten und keine Krankenakte „auf Zuruf“.
Was er aber sehr wohl hat, sind die offiziellen Unterlagen zum Delikt und zur Fahrerlaubnis – und eine konkrete Fragestellung der Behörde. Diese zwei Dinge steuern das ganze Gespräch. Wer versteht, was der Gutachter wirklich weiß (und was nicht), kann viel ruhiger, klarer und glaubwürdiger auftreten.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Weiß der MPU-Gutachter „heimlich“ alles über mich?
- 2.1 Welche Akten der MPU-Gutachter wirklich vorliegen hat
- 2.2 Die behördliche Fragestellung ist der rote Faden im Gutachten
- 2.3 So wirkt die Fragestellung in der Praxis
- 2.4 Was der Gutachter nicht automatisch weiß
- 2.5 Was der Gutachter im Gespräch wirklich „herausfinden“ will
- 2.6 Stimmigkeit schlägt „perfekte“ Antworten
- 2.7 Wie du die Informationslage aktiv beeinflussen kannst
- 2.8 Tilgungsfristen – Was darf der Gutachter noch wissen?
- 2.9 Die Fragestellung – Der rote Faden des Gutachters
- 2.10 Fazit
- 2.11 FAQ
Das Wichtigste in Kürze
- Der MPU-Gutachter kennt weniger Privates, als viele denken – „geheime“ Infos bekommt er nicht automatisch.
- Er hat aber alle offiziellen Akten zum Delikt und zur Fahrerlaubnis vorliegen.
- Zentral ist die Fragestellung der Behörde – sie bestimmt, worauf das Gutachten hinausläuft.
- Im Gespräch prüft er vor allem Einsicht, Ursachenverständnis, Veränderung und Stabilität.
- Du beeinflusst die Informationslage durch Unterlagen, die du einreichst, und durch stimmige, ehrliche Angaben.
Weiß der MPU-Gutachter „heimlich“ alles über mich?
Nein. Er erhält keine privaten WhatsApp-Chats, Social-Media-Profile oder Krankenakten, außer du oder Behörden geben solche Unterlagen ausdrücklich frei. Er arbeitet vor allem mit den offiziellen Akten zum Delikt, dem Registerauszug und der konkreten Fragestellung der Fahrerlaubnisbehörde.
Welche Akten der MPU-Gutachter wirklich vorliegen hat
Der Gutachter startet nicht bei null. Er bekommt die Unterlagen, die zur Fahrerlaubnisakte gehören. Dazu zählen typischerweise Strafbefehl oder Urteil und auch Polizeiberichte. Häufig liegen zudem Blut- oder Atemalkoholwerte vor.
Bei Drogenfällen kommen Drogentests oder Laborwerte dazu. Außerdem können frühere Verkehrsdelikte enthalten sein, wenn sie aktenkundig sind. Sehr wichtig ist auch der Auszug aus dem Fahreignungsregister.

Ebenfalls möglich sind Entzugs- und Sperrverfügungen, die zeigen, warum die Fahrerlaubnis weg ist. All diese Dokumente sind „offiziell“ und bilden den Faktenrahmen, an dem sich deine Aussagen messen lassen.
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Diese Unterlagen sind typischerweise in der Akte
| Kategorie | Beispiele für Inhalte | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|
| Gericht/Strafverfahren | Strafbefehl, Urteil | Einordnung von Delikt, Schwere, Kontext |
| Polizei/Ermittlung | Polizeiberichte, Protokolle | Ablauf, Auffälligkeiten, Aussagenlage |
| Messwerte | Blut-/Atemalkohol, Labordaten | Objektive Grundlage für Risiko |
| Drogen/Nachweise | Drogentests | Konsumhinweise, Muster, Bewertung |
| Vorgeschichte | frühere Verkehrsdelikte | Rückfallmuster, Wiederholung, Prognose |
| Register/Behörde | Fahreignungsregister, Entzug/Sperre | rechtlicher Rahmen, Dauer, Auflagen |
Die behördliche Fragestellung ist der rote Faden im Gutachten
Viele unterschätzen, wie stark die Fragestellung die MPU lenkt. Die Fahrerlaubnisbehörde stellt keine allgemeine Frage wie „Ist der Mensch okay?“. Sie formuliert eine konkrete Prüffrage. Ein typisches Beispiel ist: „Ist zu erwarten, dass Herr X künftig ein Kraftfahrzeug auch unter Alkoholeinfluss führen wird?“
Genau diese Prognose muss der Gutachter am Ende seriös beantworten. Deshalb fragt er gezielt alles ab, was mit Fahreignung und Rückfallrisiko zu tun hat. Alles andere ist Beiwerk und oft gar nicht relevant. Das Gespräch wirkt dadurch manchmal „spitz“ oder wiederholend.
Das ist aber kein Trick, sondern methodisch gewollt. Dein Ziel ist es, deine Entwicklung so zu erklären, dass sie genau auf diese Frage einzahlt.
So wirkt die Fragestellung in der Praxis
| Fragestellung | Worauf das Gespräch dann fokussiert |
|---|---|
| Alkohol und Fahren | Trinkmuster, Auslöser, Kontrollverlust, neue Regeln/Abstinenz |
| Drogen und Fahren | Konsumgewohnheiten, Risikokompetenz, Trennung Konsum/Verkehr, Stabilität |
| Punkte/Verkehrsverstöße | Normakzeptanz, Impulskontrolle, Einsicht, Verhaltensänderung |
| Aggression/Delikte | Konfliktmuster, Deeskalation, Umgang mit Stress, Schutzfaktoren |
Was der Gutachter nicht automatisch weiß
Hier liegt der wichtigste Titel-Kern: Der MPU-Gutachter weiß deutlich weniger „Geheimes“ über dich, als viele denken. Er hat keinen Zugriff auf dein Bankkonto. Er liest keine Handy-Chats und hat auch keinen Blick in deine Social-Media-Profile.
Ebenso bekommt er keine Krankenakten, wenn du sie nicht selbst einreichst. Therapieunterlagen sind ebenfalls nicht „automatisch“ da. Nur wenn du etwa einen Therapiebericht oder eine Entlassungsmitteilung eingereicht hast, kann er damit arbeiten.
Private Konflikte, Seitensprünge oder Kindheitsdetails kennt er nicht, solange sie nicht in Gerichtsakten stehen oder du sie selbst erzählst. Und selbst dann gilt: Es wird nur relevant, was die Fahreignung und das Rückfallrisiko betrifft. Das entlastet viele, weil es den Mythos vom „allwissenden Gutachter“ auflöst.
Was er typischerweise nicht automatisch hat
| Bereich | Hat er automatisch Zugriff? | Ausnahme |
|---|---|---|
| WhatsApp/Chats/Handy | Nein | nur wenn du es einreichst (sehr unüblich) |
| Social Media | Nein | nur bei aktenkundigen Inhalten, die Behörden nutzen |
| Bankkonto/Finanzen | Nein | nur wenn es in Akten steht (selten) |
| Krankenakte | Nein | nur mit ausdrücklicher Freigabe/Einreichung |
| Therapieinhalte | Nein | nur eingereichte Nachweise/Berichte |
| Privates Umfeld/Beziehungen | Nein | nur wenn aktenkundig oder von dir thematisiert |
Was der Gutachter im Gespräch wirklich „herausfinden“ will
Der Gutachter versucht nicht, dich privat auszuleuchten. Er will verstehen, wie es zu den Auffälligkeiten kam. Dazu gehört dein Konsumverhalten oder dein Fahrverhalten und die konkrete Situation. Er prüft außerdem, ob du die Ursachen verstanden hast.
Das meint innere Motive, Stressfaktoren, Umfeld und typische Muster. Dann schaut er auf die Veränderungen, die du umgesetzt hast. Beispiele sind Konsumregeln, Abstinenz, Therapie oder neue Routinen. Entscheidend ist nicht nur, dass du etwas „gemacht“ hast, sondern ob es stabil ist.
Am Ende zählt die Stimmigkeit: Passen Aktenlage, Lebenslauf, deine Angaben und dein aktueller Lebensstil zusammen? Wenn es logische Brüche gibt, wird er nachhaken. Das ist nicht persönlich, sondern Prognosearbeit.
Stimmigkeit schlägt „perfekte“ Antworten
Viele scheitern nicht, weil sie „zu wenig erzählen“. Sie scheitern an Halbwahrheiten und Widersprüchen. Ein Gutachter vergleicht deine Aussage mit den offiziellen Unterlagen. Wenn du Werte, Zeiten oder Abläufe anders darstellst als in der Akte, wirkt das schnell wie Verharmlosung.
Auch zu glatte Geschichten sind riskant, weil sie unnatürlich wirken. Besser ist eine ehrliche, reflektierte Darstellung, die aus Fehlern lernt. Du darfst zugeben, dass du früher falsch entschieden hast. Wichtig ist, dass du das heute begründen kannst: Was war damals los und was ist jetzt anders?
Und dann brauchst du Beispiele, die man nachvollziehen kann. Stimmigkeit entsteht, wenn dein Verhalten heute logisch aus deinen Erkenntnissen folgt.
Wie du die Informationslage aktiv beeinflussen kannst
Du bist nicht ausgeliefert. Du entscheidest, ob du das MPU-Gutachten an die Behörde weiterleitest. Das gibt dir die Möglichkeit, es vorher in Ruhe zu lesen. Außerdem kannst du gezielt Unterlagen beisteuern, die deine Entwicklung zeigen. Dazu gehören Therapie-Bescheinigungen, Abstinenznachweise oder Kursnachweise.
Sobald du sie einreichst, darf der Gutachter sie berücksichtigen. Das kann dein Bild deutlich verbessern, weil es nicht nur Worte sind, sondern Belege. Gleichzeitig gilt: Du musst nicht dein ganzes Leben offenlegen. Relevanz ist das Stichwort, also nur das, was zur Fahreignung passt.
Und ganz wichtig: Der Auftrag lautet nicht „alles rausfinden“. Der Auftrag lautet, seriös zu prognostizieren, wie du heute mit Risiko umgehst. Wer das verstanden hat, spricht klarer und sicherer.
Der gläserne Fahrer – Was in der Akte steht
Die Antwort auf die Frage „Was weiß der MPU Gutachter über mich?“ liegt fast ausschließlich in Ihrer Führerscheinakte. Bevor Sie den Raum betreten, hat der Gutachter diese bereits studiert. Sie enthält nicht nur den aktuellen Vorfall, sondern oft auch polizeiliche Ermittlungsberichte, Blutwerte zum Tatzeitpunkt und frühere Auffälligkeiten.
Sogar Randnotizen der Polizei über Ihr Verhalten bei der Kontrolle – etwa ob Sie aggressiv oder kooperativ waren – sind vermerkt. Da diese Akte die Informationsgrundlage bildet, ist es für eine erfolgreiche MPU unerlässlich, genau zu wissen, was darin steht.
Eine vorherige Akteneinsicht bei der Führerscheinstelle ist daher der wichtigste Schritt, damit Sie im Gespräch nicht von Details überrascht werden, die der Gutachter bereits schwarz auf weiß vor sich liegen hat.
Tilgungsfristen – Was darf der Gutachter noch wissen?
Ein wichtiger Aspekt beim Thema „Was weiß der MPU Gutachter über mich?“ sind die Tilgungsfristen im Fahreignungsregister. Nicht alles, was Sie jemals im Straßenverkehr falsch gemacht haben, darf ewig gegen Sie verwendet werden.
Sobald eine Tat der Tilgung unterliegt und das Verwertungsverbot greift, darf der Gutachter diese Informationen nicht mehr in seine Entscheidung einbeziehen. Dennoch kommt es vor, dass alte Unterlagen fälschlicherweise noch in der Akte liegen, die an die MPU-Stelle geschickt wird.
Wer hier seine Rechte kennt und die Akte vorab bereinigen lässt, verhindert, dass der Gutachter mit veraltetem Wissen arbeitet. Wissen ist hier Macht: Nur was rechtmäßig in der Akte steht, darf die Basis für das psychologische Urteil bilden.
Die Fragestellung – Der rote Faden des Gutachters
Hinter der Frage „Was weiß der MPU Gutachter über mich?“ steht immer ein konkreter Auftrag: die behördliche Fragestellung. Die Führerscheinstelle gibt dem Gutachter präzise vor, was er prüfen soll – zum Beispiel: „Ist zu erwarten, dass Herr/Frau X auch künftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird?“
Dieser Satz bestimmt, welche Informationen aus Ihrer Vergangenheit für den Gutachter relevant sind. Er weiß also nicht „alles“ über Ihr Privatleben, sondern konzentriert sich auf die Fakten, die zur Beantwortung dieser spezifischen Frage beitragen. Alles, was nicht mit dieser Fragestellung oder Ihrer allgemeinen psychischen Stabilität zu tun hat, sollte im Gespräch keine Rolle spielen. Die Vorbereitung auf diese Kernfrage ist der Schlüssel, um die MPU souverän zu bestehen.
Fazit
Der MPU-Gutachter ist kein Hellseher. Er kennt keine geheimen Chats und keine versteckten Akten, solange du sie nicht freigibst. Was er wirklich hat, sind die offiziellen Unterlagen und die behördliche Fragestellung. Genau damit arbeitet er im Gespräch. Wenn du diese Logik verstehst, verlierst du Angst und gewinnst Kontrolle. Mit stimmigen Angaben, nachvollziehbaren Veränderungen und passenden Nachweisen wirkt deine Geschichte belastbar. Das ist der Hebel, der entscheidet.
Quellen:
- Bußgeldkatalog: Akteneinsicht vor der MPU – Was steht in der Akte?
- ADAC: Ablauf der MPU und Informationen zur Datenübermittlung
- Kraftfahrt-Bundesamt: Informationen zum Fahreignungsregister (FAER)
FAQ
Was weiß der MPU Gutachter über mich vor dem Gespräch?
Der Gutachter hat vorab Ihre komplette Führerscheinakte gelesen, die ihm von der Behörde zugestellt wurde. Darin stehen alle relevanten Delikte, Polizeiberichte und eventuelle frühere Gutachten.
Sieht der Gutachter auch Delikte, die nichts mit dem aktuellen Fall zu tun haben?
Ja, solange diese Delikte noch nicht der Tilgung unterliegen, sind sie Teil der Akte und für den Gutachter sichtbar. Das betrifft sowohl andere Verkehrsverstöße als auch Straftaten, die auf ein hohes Aggressionspotenzial hindeuten könnten.
Weiß der Gutachter von meinen privaten Problemen?
Nur wenn diese in der Akte vermerkt sind, etwa durch Polizeiberichte bei häuslicher Gewalt oder wenn Sie diese selbst im Gespräch oder im Fragebogen erwähnen. Rein private Informationen ohne Bezug zur Fahreignung liegen ihm normalerweise nicht vor.
Kann der Gutachter meine alten Blutwerte sehen?
Ja, die Blutalkoholkonzentration (BAK) oder die Drogenwerte zum Tatzeitpunkt sind wesentliche Bestandteile der Ermittlungsakte. Er nutzt diese Werte, um Ihren Grad der Gewöhnung an das Suchtmittel einzuschätzen.
Weiß der Gutachter, ob ich mich vorbereitet habe?
Er sieht keine Liste Ihrer besuchten Kurse, es sei denn, Sie legen die Teilnahmebescheinigungen aktiv vor. Er erkennt eine gute Vorbereitung jedoch meist sehr schnell an der Qualität und Reflektiertheit Ihrer Antworten.
Sieht der Gutachter auch gelöschte Punkte in Flensburg?
Nein, sobald ein Delikt getilgt ist, darf es nicht mehr in der Akte stehen, die an die MPU-Stelle gesendet wird. Sollten dennoch gelöschte Informationen enthalten sein, dürfen diese nicht gegen Sie verwertet werden.
Weiß der Gutachter über meine Krankheiten Bescheid?
Nur wenn diese für die Fahreignung relevant sind und beispielsweise in einem ärztlichen Gutachten in der Akte erwähnt werden. Informationen über allgemeine Erkrankungen ohne Bezug zum Straßenverkehr erfährt er in der Regel nicht.
Kennt der Gutachter den Inhalt früherer negativer Gutachten?
Ja, wenn ein früheres negatives Gutachten bei der Führerscheinstelle abgegeben wurde, befindet es sich in der Akte. Deshalb wird oft geraten, negative Gutachten nicht abzugeben, um den Gutachter beim nächsten Mal nicht vor einzunehmen.
Weiß der Gutachter, ob ich bei der Polizei ausgesagt habe?
Sämtliche Protokolle von Vernehmungen und Ihre Aussagen gegenüber den Beamten vor Ort sind Teil der Akte. Er wird Ihre Aussagen im Gespräch mit diesen Protokollen abgleichen, um Ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.
Kann der Gutachter mein Facebook- oder Instagram-Profil einsehen?
Es gehört nicht zu den Standardaufgaben eines Gutachters, soziale Medien zu durchsuchen. Allerdings könnten öffentlich zugängliche Informationen theoretisch auffallen, wenn sie im Widerspruch zu Ihren Aussagen über Abstinenz stehen.
Georg Jelinek ist ein ausgewiesener Spezialist in der Suchtbekämpfung mit Schwerpunkt auf Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Seine Expertise umfasst die medizinische und forensische Laboranalyse, evidenzbasierte Diagnostik sowie moderne Therapieansätze. Mit einem interdisziplinären Ansatz verbindet er wissenschaftliche Präzision mit praxisnaher Behandlung, um nachhaltige Wege aus der Abhängigkeit zu ermöglichen.

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