Schwere, wiederkehrende Übelkeit und unkontrollierbares Erbrechen nach Cannabiskonsum nehmen rasant zu. In den USA explodierten die Fälle des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms (CHS) um mehr als das Siebenfache. Erste Alarmsignale zeigen sich auch in Deutschland. Besonders betroffen sind junge Erwachsene mit regelmäßigem, hochdosiertem Konsum. Die Symptome sind dramatisch, die Diagnose oft verzögert, und viele Betroffene landen wiederholt in Notaufnahmen. Dieser Artikel bündelt alle relevanten Fakten zu Ursachen, Risiken, Symptomen, Diagnostik, Therapie und zur aktuellen Lage in den USA und Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS)?
- 3 Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom?
- 4 Explosion der Fallzahlen in den USA
- 5 Wer ist besonders gefährdet?
- 6 Symptome, Verlauf und typische Warnzeichen
- 7 Diagnose und medizinische Einordnung
- 8 Deutschland: Erste Alarmsignale nach der Legalisierung
- 9 Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- CHS ist eine schwere Erbrechensstörung im Zusammenhang mit langfristigem Cannabiskonsum.
- Die Fallzahlen stiegen in den USA zwischen 2016 und 2022 um über 650 Prozent.
- Besonders gefährdet sind junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, vor allem Männer.
- Hochpotente THC-Produkte erhöhen vermutlich das Risiko.
- Die einzige nachhaltige Therapie ist der vollständige Verzicht auf Cannabis.
Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS)?
CHS ist eine durch chronischen Cannabiskonsum ausgelöste Erkrankung mit wiederkehrender starker Übelkeit, heftigem Erbrechen und häufigem Zwang zu heißen Duschen oder Bädern zur kurzfristigen Linderung.
Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom?
Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist eine spezifische, cannabisbedingte Erbrechensstörung. Sie tritt fast ausschließlich bei Menschen auf, die über Jahre hinweg regelmäßig Cannabis konsumieren. Typisch sind zyklische Phasen mit massiver Übelkeit und unstillbarem Erbrechen. Viele Betroffene berichten von vorübergehender Linderung durch heißes Duschen. Paradox wirkt dabei, dass Cannabis sonst als Mittel gegen Übelkeit bekannt ist. Medizinisch gilt CHS heute als eine der häufigsten Ursachen für wiederkehrendes Erbrechen bei jungen Erwachsenen. Fachlich wird es klar vom akuten Cannabisrausch unterschieden. Die Symptome kehren meist zurück, wenn der Konsum fortgesetzt wird.
Explosion der Fallzahlen in den USA
Eine in JAMA Network Open veröffentlichte Analyse wertete über 188 Millionen Notaufnahmebesuche aus. Zwischen 2016 und 2022 stiegen die CHS-Diagnosen um mehr als 650 Prozent. Das entspricht einer mehr als siebenfachen Zunahme. Ärztinnen und Ärzte berichten, dass CHS inzwischen ein häufiger Grund für wiederholte Notaufnahmen ist. Der leichtere Zugang zu Cannabis gilt als wichtiger Treiber. In vielen US-Bundesstaaten ist Cannabis legal erhältlich. Parallel nahm die durchschnittliche THC-Potenz deutlich zu. Beides zusammen erhöht offenbar das Erkrankungsrisiko erheblich.
Wer ist besonders gefährdet?
Am stärksten betroffen sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Ihr Risiko, an CHS zu erkranken, liegt rund 260 Prozent höher als bei anderen Altersgruppen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Entscheidend ist die Dauer und Intensität des Konsums. Wer täglich oder nahezu täglich konsumiert, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko. Hochkonzentrierte THC-Produkte wie Konzentrate oder Vapes scheinen das Problem zu verschärfen. Auch eine frühe Konsumbeginnphase erhöht die Wahrscheinlichkeit. Gelegenheitskonsum führt in der Regel nicht zu CHS.

Symptome, Verlauf und typische Warnzeichen
CHS verläuft meist in drei Phasen. In der Prodromalphase treten morgendliche Übelkeit und Unwohlsein auf. In der hyperemetischen Phase kommt es zu massivem Erbrechen, Bauchschmerzen und Dehydrierung. Viele Betroffene nehmen kaum Nahrung oder Flüssigkeit zu sich. Charakteristisch ist der Drang zu heißen Duschen oder Bädern, die kurzfristig Erleichterung bringen. In der Erholungsphase klingen die Symptome ab, sofern Cannabis gemieden wird. Ohne Abstinenz kehren die Beschwerden fast immer zurück. Unbehandelt drohen Elektrolytstörungen und Nierenschäden.
Diagnose und medizinische Einordnung
Die Diagnose von CHS ist klinisch und erfordert eine sorgfältige Anamnese. Entscheidend ist die Vorgeschichte eines chronischen Cannabis- oder THC-Konsums. Andere Ursachen für Erbrechen müssen ausgeschlossen werden. Dazu zählen Magen-Darm-Infektionen, Stoffwechselstörungen oder neurologische Erkrankungen. Fachärzte weisen darauf hin, dass CHS häufig fehldiagnostiziert wird. Eine verbesserte Sensibilisierung führt inzwischen zu früheren Diagnosen. Das erklärt teilweise den Anstieg der registrierten Fälle. Dennoch bleibt die Dunkelziffer hoch.
Deutschland: Erste Alarmsignale nach der Legalisierung
Seit April 2024 ist Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert. Erwachsene dürfen über Anbauvereinigungen bis zu 50 Gramm pro Monat beziehen. Ziel war es, Gesundheitsrisiken durch verunreinigtes Schwarzmarkt-Cannabis zu senken. Die Auswirkungen auf Notaufnahmen werden noch untersucht. Eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse aus 2025 zeigt jedoch einen deutlichen Anstieg. 2024 wurden rund 250.500 Menschen wegen cannabisbezogener psychischer und Verhaltensstörungen behandelt. Das entspricht einem Plus von 14,5 Prozent gegenüber 2023. CHS wird dabei vermutlich noch unterschätzt.
Überblick: Zentrale Zahlen und Fakten
| Aspekt | USA | Deutschland |
|---|---|---|
| Zeitraum | 2016–2022 | 2023–2024 |
| Veränderung | +650 % CHS-Fälle | +14,5 % cannabisbezogene Behandlungen |
| Hauptbetroffene | 18–25 Jahre | Junge Erwachsene |
| Hauptursache | Chronischer Konsum | Zunehmender Konsum |
| Therapie | Abstinenz | Abstinenz |
Fazit
Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist kein Randphänomen mehr. Die massive Zunahme in den USA zeigt, wie gefährlich langfristiger, hochdosierter Cannabiskonsum sein kann. Deutschland steht erst am Anfang dieser Entwicklung. Frühe Aufklärung, klare Diagnose und konsequente Abstinenz sind entscheidend. Wer wiederholt unter starker Übelkeit leidet und Cannabis konsumiert, sollte CHS ernsthaft in Betracht ziehen.
Georg Jelinek ist ein ausgewiesener Spezialist in der Suchtbekämpfung mit Schwerpunkt auf Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Seine Expertise umfasst die medizinische und forensische Laboranalyse, evidenzbasierte Diagnostik sowie moderne Therapieansätze. Mit einem interdisziplinären Ansatz verbindet er wissenschaftliche Präzision mit praxisnaher Behandlung, um nachhaltige Wege aus der Abhängigkeit zu ermöglichen.

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